Warum sollten wir Merkelistan trauen ?

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Nach zähen Verhandlungen über die sogenannte "Wiedergutmachung", die im Luxemburger Abkommen schon 1952 ihr erstes Ergebnis gezeigt hatten, wurden in den folgenden Jahren die Wirtschaftsbeziehungen und die militärische Zusammenarbeit zwischen Israel und der Bundesrepublik noch enger. Der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer und der israelische Premierminister David Ben-Gurion trafen sich zweimal – und zwar rein geschäftlich, wie alle deutsch-israelischen Begegnungen bis jetzt. Und auch dieser Tage wieder in Israel zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und "Freund" Premierminister Benjamin "Bibi" Netanjahu – nur eine Woche nach dem Besuch in Berlin des anderen guten "Freundes", Recep Tayyip Erdoğan. Die Bilder der jeweiligen Freunde mit Angela sind immer dieselben – austauschbar, und mit Gesichtern die sagen, dass man mit solchen Freunden keine Feinde mehr braucht…

Adenauer wollte zunächst einmal besänftigend auf Israel einwirken, denn um die Jahreswende 1959/60 hatten antisemitische Ausfälle, wie Friedhofsschändungen und Hakenkreuzschmierereien, insbesondere an der neuerrichteten und von Adenauer eingeweihten Kölner Synagoge für weltweite Empörung gesorgt. Allerdings war manches ein Werk der Ostberliner Staatssicherheit... So traf sich Adenauer (73) erstmals mit Ben-Gurion (84) auf neutralem Gebiet, in New York, und zwar in der Luxusherberge Waldorf Astoria am 14. März 1960, wo sich die beiden nach einem zweistündigen Gedankenaustausch der Presse und den Fotografen stellten. Ein "symbolträchtiges Bild der Aussöhnung" ging um die Welt und blieb in Erinnerung: ein Vertreter des Volkes der Opfer ("Opfernation") und ein Vertreter des Volkes der Täter ("Täternation") saßen gemeinsam wie alte Freunde an einem Tischlein, freundlich lächelnd und einander die Hände schüttelnd.

Keiner der beiden trug damals eine Kippa auf dem greisen Haupt. Und natürlich brauchten beide keinen Dolmetscher, denn der im damals im noch zum Russischen Reich gehörenden Kongresspolen geborene David Grün war mehrsprachig und beherrschte auch das in den letzten Jahren vor dem Ersten Weltkrieg in Saloniki und Konstantinopel perfektionierte Türkisch. Übrigens war der in Konstantinopel den historischen Namen Ben-Gurion annehmende bekennende Zionist nicht nur osmanischer Staatsangehöriger, sondern unterstützte anfangs auch die osmanische Armee, verbrachte jedoch die letzten drei Kriegsjahre in New York... Seinen Aufenthalt in den USA und sein abwechslungsreiches Leben können wir hier leider nicht weiter behandeln.

Sechs Jahre später trafen sich die beiden erneut, und zwar im Mai 1966 in der Negev-Wüste im Haus des pensionierten aber immer noch als Politiker aktiven Ben Gurion im Kibbuz Sde Boker. Knapp ein Jahr später starb Adenauer, und Ben-Gurion begab sich im April 1967 erstmals seit Oktober 1945 nach Deutschland, diesmal, um seinem "Täterfreund" die letzte Ehre zu erweisen.

Vielleicht verzichteten damals die einschlägigen deutschen Politiker aus Pietätsgründen darauf, mit Ben-Gurion Gespräche über Westdeutschlands Zugang zu einer eigenen, von den Alliierten unabhängigen atomaren Bewaffnung zu führen – nachdem die Deutschen diesbezüglich, trotz der viel beschworenen "deutsch-französischen Freundschaft", bei De Gaulle abgeblitzt waren. Der Autor hatte damals viel mit der US-Army zu tun, und erlebte hautnah die Angst – nicht nur der Amerikaner – vor einer deutschen Atombombe. Ja, angesichts des ganzen scheinheiligen Schuld-und-Sühne-, Versöhnungs- und Wiedergutmachungszirkus und der dadurch nach Israel geflossenen Gelder, wo in Ben-Gurions Negev-Wüste in der Gegend von Dimona und andernorts fleißig Forschungen am vorrangigen Nuklearprogramm betrieben wurden, kann man angesichts des Waldorf-Astoria- und anderer früherer Freundschaftsfotos offenherzig zugeben: "It's the Bomb, stupid!"

Offizielle diplomatische Beziehungen zwischen den beiden Ländern wurden erst 1965 aufgenommen, weil Bonn getreu der Hallstein-Doktrin eine Anerkennung der DDR durch die arabischen Staaten verhindern wollte. Allerdings wurde der erste deutsche Botschafter in Israel ausgerechnet der einarmige NS-Ritterkreuzträger (!) Rolf Pauls, der seinen Arm natürlich nicht bei Widerstandshandlungen hatte opfern müssen... 

Selbstverständlich wurde die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Staat Israel nur etwa 20 Jahre nach der Schoah von den Israelis umso mehr abgelehnt, als die Wahrheit über Pauls herauskam, auch, dass er in der Nazizeit stellvertretender Militärattaché an der deutschen Botschaft in Ankara gewesen war... All dies wurde als typisch deutsche Arroganz empfunden, und folglich wurde der Amtsantritt von Pauls am 19. August 1965 von heftigen Gegendemonstrationen begleitet.

Die israelische Öffentlichkeit erachtete diesen typische Repräsentanten der deutschen, adenauer'schen Nachkriegsbeamtenschaft und des "hässlichen Deutschen" als Zumutung und für dieses Amt ungeeignet, obwohl Pauls zur "Buße" als erste Handlung in Israel noch vor seiner Akkreditierung durch Staatspräsident Salman Schasar den Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem absolviert hatte – wie bis heute deutsche Politiker mit der Kippa auf dem Kopf, und womöglich noch auf Steuerkosten mit Frau und Kindern. Diese "guten" Deutschen sind beileibe keine Philosemiten, sondern vor allem Opportunisten und Pragmatiker, allen voran Adenauer und Merkel…

Was nun die aus der Asche zweier Weltkriege wie ein Phönix neu entstehende neudeutsch-neuosmanische Waffenbrüderschaft angeht, so hat diese ein großes Defizit: Weder Berlin noch Ankara verfügen über eine eigene atomare Bewaffnung, und Israel hat jede Hoffnung Syriens auf eine solche im wahrsten Sinne des Wortes zerbombt. Ebenso wie die iranische, falls dies wirklich zutrifft…

Jedenfalls drängt die bauernschlaue Bundeskanzlerin, die sich israelfreundlich gibt, aber die guten Beziehungen zu den Ajatollahs beibehalten will, die ja bekanntlich die Vernichtung Israels anstreben, auf einen Vierergipfel noch in diesem Oktober mit Erdoğan und Macron einerseits und Putin andererseits. Also mit zwei Atomarmächten am Verhandlungstisch: Frankreich auf der einen Seite und Russland auf der anderen. Vielleicht ist die auch nur das letzte Aufbäumen einer vorzeitig vergreisten Machtpolitikerin, deren Herrschaft sich ohnehin dem Ende zuneigt…

 

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